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"Von allen Arten, sich Bücher zu verschaffen, wird als rühmlichste betrachtet, sie selbst zu schreiben."

                                      - Walter Benjamin -

 

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(k)EIN HUNDELEBEN

LESEPROBE

 

 

 

 SCHOCKIERT

 

»Menschen halten sich Hunde, weil sie zu feige sind, selbst zuzubeißen!« Ein kluger Mann, der das sagte. Klar, hatte ich stets anderes im Kopf, als zuzubeißen. Wäre ich sonst da gelandet, wo ich war, als es Ajax noch nicht gab?

Jonny Flint schlägt mit der rechten Hand sanft auf seine Schenkel: »Ajax! Komm her! Hierher…! «

Der Hund gehorcht und legt seine Schnauze auf das Knie seines Herrchens, das ihn gerettet hat.

Was für ein schöner Tag. Die Sonne scheint, die Finken schlagen und die Meisen huschen aufgeregt von Ast zu Ast. Nestbau. Balztanz. Mein Gott, diese Tiere. Gott allein weiß, warum er seinen Priestern die Ehe verbietet.

Ajax trollt wieder davon. Unweit beschnüffelt er seelenruhig das kleine Hündchen, mit dem diese rotblonde Frau seit einiger Zeit an der Stadtmauer entlang spaziert, immer, wenn auch Jonny Flint mit Ajax im Park spielt. Ihm ist dabei nie ganz wohl. Die Bilder in seinem Kopf sind alles andere als beruhigend. Ihm ist nicht zum ersten Mal zumute, als kenne er diese Frau, deren flammendes Haar ihrem Zwergspitz gleicht. Hätte sie braunes Haar, wäre sie ihm vermutlich gar nicht aufgefallen, aber dieses Haar leuchtet vor der ehrwürdig braunen Mauer, und das erinnert ihn an etwas ganz Bestimmtes. Manchmal schaut er ihr heimlich nach, in seinem Kopf das Bild, wo rotblondes Haar im Nichts verschwindet. Heute dreht er sich nicht um, aber dieses Bild ist in seinen Kopf eingebrannt und gibt ihm eine Erinnerung, von der er nicht genau weiß woran. Etwas aus seinem alten Leben? Etwas aus einem Traum, der ihm bisweilen kommt und von dem er nicht weiß, was er davon halten soll? Man weiß bei so vielen Dingen im Leben nicht, was man von ihnen halten soll, aber dieser Traum verwirrt ihn. Wer könnte erwarten, dass ihn diese Frau nicht wütend macht? Wer weiß schon, was ein anderer Mensch im Schilde führt.

Wenn er sein Leben der letzten Jahre in einem Satz zusammenfassen müsste, würde er sagen: Einmal Hölle und zurück. Und dieses Zurück hat er Ajax zu verdanken. Alles könnte inzwischen wieder sehr schön sein… so schön bleiben. Ajax war seine Rettung. Er hat ihn abgebracht von seiner selbstzerstörerischen Phase. Was war er bloß für ein Idiot. Nicht mehr nur der Fachidiot. Beileibe auch nicht mehr der Hahnrei. Ein ausgewachsener Volltrottel per excellence war er geworden — unverschuldet.

Seit ein paar Minuten ist seine Zufriedenheit über sich und seinen Hund einer ganz anderen Sorge gewichen. Wann hatte er sich je im Leben gesorgt. Um wen? Um nichts! Nicht um Kristin, nicht einmal um sein gutes Leben, das man ihm zerstört hat. Gründlich.

Erst hatte er sich geärgert, an diesem Tag genau an dieser Platane vorbeigelaufen zu sein. Er geht sonst nie dort entlang. Warum heute? Um dieser Frau aus dem Wege zu gehen? Idiot du…!

Schon ein paar Schritte später hat er sich eingeredet: Es war ein Glück. Vielleicht war es das letzte dieser Plakate, die in dieser Stadt hängen. Stark anzunehmen, so vergilbt wie das Papier schon ist…

Jonnys Hand in der Tasche seiner Jacke ballt sich zur Faust. Beinahe zerknüllt er das vom Wetter verblichene Papier. Der Zorn ist zurück in seinem Gemüt. Zorn, den er fast ein Jahr lang auf alles und jeden hatte, und den er gepflegt hatte wie ein Baby, weil es ihm dann besser zu gehen schien. Vor einigen Minuten hatte er den Aushang entdeckt und von der Platane gerissen. Die Ecken, die jemand mit breiten Zwecken am Stamm befestig hatte, fehlen dem Fetzen jetzt.

Er ist nicht nur wütend. Er ist nervös. Das Blut in seinen Adern kocht. Einen solchen Zustand kennt er seit langem nicht mehr. Noch einmal zieht er das Papier heraus und faltet es auseinander. Was, wenn jemand glaubt, sein Ajax wäre dieser entlaufene Hund namens Einstein? Und man kann es glauben. Diese Ähnlichkeit! Aber sollte ein Hund ohne Grund mehr als fünfzehn Kilometer weit laufen…?

Wenn es dieser Einstein wäre, dann müsste er ausgebüxt sein, weil es ihm nicht gut ging wo er war. So sah er jedenfalls aus, damals nahe den Mülltonnen … Das war im Oktober. Jetzt haben wir Mai. Wenn ihr jetzt erst nach dem Hund sucht…! Pech, meine Lieben.

Ajax‘ kommt wieder zurück. Seine Schnauze auf dem Männerknie gibt Jonny jenes Gefühl, das er zuletzt vor langer Zeit hatte, als er Kristin noch liebte und noch gerne mit ihr geschlafen hat. Seitdem gab es ein solches Gefühl nie wieder. Der eklatante Unterschied zu Kristin: Wenn Ajax eines Tages ebenso wie sie aus seinem Leben verschwindet, geht er jämmerlich ein. Jämmerlich…

Jonny krault die dichte Wolle und nimmt Ajax bei den Ohren, wie es der Hund gerne hat. Ajax schließt die Augen und genießt.

 Es geht ihm gut. Es geht ihm doch gut bei mir, wer sollte etwas gegen mich und meinen Hund haben? Auch die Leute im Wohnblock werden sich wieder beruhigen.

Er beugt sich zu seinem Freund, den besten, den er seit Kindertagen hat. Sein Gesicht spürt Ajax‘ feuchte Nase: »Da soll doch einer kommen und sagen, du bist Einstein! Soll er doch kommen! Einstein, wie albern!«

Ajax‘ Augen sind plötzlich nicht mehr entspannt, seine Ohren stehen steif und sein Schwanz wedelt aufgeregt.

Einstein? Liegt das Lauern an Einstein…?

Jonny streichelt seinen Hund liebevoll zwischen den Augen. Er ist voller Zweifel, jetzt fühlt er etwas davon, wie verändert Ajax ist.

»Guten Tag.« Jonnys Kopf schnellt herum, als habe ihn jemand beim Stehlen ertappt. Diese Frau! War sie nicht längst mit ihrem abgebrochenen Zwerg im Nichts verschwunden?

»Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich eine Weile zu Ihnen setzte.«

»Nö«, bringt Jonny heraus, rückt aber flugs ans andere Ende der Bank, was Ajax aus seinem Lauschen reißt.

»Ist gut Ajax! Alles gut.«

Diese Frau, denkt er immer wieder. Das kann doch nicht wahr sein… Aber im Handumdrehen kommt die Erleuchtung: Eine vom Amt, die mir Ajax nehmen will. Nur diese Eingebung zählt noch.

Langsam trottet Ajax wieder dem Hündchen nach, das unentwegt mit dem Schwanz wedelt.

»Ein schönes Tier, Ihr Labrador«, sagt die Frau. Sie richtet ihr Haar, als würde der Wind es zerzaust haben, dabei liegen die wundervollen Wellen auf ihrer Schulter, als habe sie ein Künstler drapiert. Sie streckt ihren Rücken, zupft an der Bluse unter der Jacke und räuspert sich ungeschickt.

»Ajax heißt er? Wie dieser griechische Held«, sagt ihre weiche, melodische Stimme, die wie seinem Traum enthoben wirkt, den er mal belächelt, mal in Sorge erinnert. Jetzt überwiegt das innere Lächeln: Wenn du wüsstest, warum mein Ajax Ajax heißt. Ist allemal besser als Einstein, denkt Jonny. Aber wohl ist ihm nicht dabei… Nicht mehr seit diesem Nachmittag. Dabei hat er noch nicht einmal eine Ahnung davon, was ihn bald erwartet.

 

 Ende der Leseprobe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Öffentliche Lesungen zeitnah


 (die Lesungen im karitativen Rahmen sowie für Mitglieder von Einrichtungen und Institutionen gebe ich hier nur bekannt, wenn der Veranstalter die Teilnahme für jedermann freigibt.)